Ruhrtalradweg Winterberg – Bestwig, Hüsten – Wickede
Winterberg – Bestwig
Das Beste zuletzt. Den höchstgelegenen Teil hatte ich mir für den Schluss aufgehoben und einen Samstag mit strahlender Sonne gewählt. An so einem Tag sollte man möglichst früh auf dem Bahnsteig stehen, um mit Rad problemlos die Zugfahrt zu bewältigen. Menschen ohne Rad sind ab Fröndenberg die Ausnahme. Auch wenn mehrere Kurzzüge zusammengekoppelt werden, sind der Verlängerung Grenzen gesetzt: “Die Bahnsteige sind nicht so lang,” meint ein Schaffner. Die Bahnstrecke verläuft ab Schwerte das Ruhrtal hinauf mehr oder weniger in der Nähe des Radwegs, so dass man sich durch die Panoramascheiben schon mal das Gelände anschauen kann. Eine gute Stunde kann man sich freuen, dass einem die Lok den mühseligen Weg bergauf abnimmt. Der Elektromotor brummt stärker, wo früher die Dampflok geschnauft hätte.
In Winterberg angekommen, kann man sich ruhig erst mal in der Fußgängerzone umschauen und Kaffee trinken. Bevor man auf der Straße Niederländisch gehört hat, ist man nicht wirklich dort gewesen
Nach dem Startpunkt des RTR am Bahnhof verteilen sich die Radler recht schnell. Am Ortsrand ein schöner Blick über die Höhen. Vor der Ruhrquelle ein kleiner Aufstieg, Schieben ist für mich keine Schande. Die Quelle selbst ist unspektakulär. Dort teilt man sich ein Stückchen den Pfad mit dem Rothaarsteig – auch noch so ein Projekt…
Man braucht kein Rad mit 20+x Gängen, um die Bergetappe entspannt und locker zu bewältigen.
Hier oben gibt es Waldluft, wenig Nähe zu Straßen und Urlaubsgefühl. Die Ski-Hänge und sonstige Hässlichkeiten sind auf der anderen Ortsseite. Die Beschilderung ist gut. Man muss sich als Autofahrer nur auf die winzige Größe einstellen. In Niedersfeld gibt es sogar einen Vor-Wegweiser, da sicher schon hunderte Radler den Abzeig links durch die Siedlung verpasst haben, der die Hauptsraße umgeht. Durch die erhebliche Höhendifferenz kann man lange Zeit das Rad auf gutem Untergrund einfach rollen lassen – Radfahrers Traum. So steil wie die 15% kurz vor Assinghausen wird es aber nur einmal. Das Gold-und Rosendorf habe ich mir für die Mittagspause ausgesucht. Es gibt denkmalgeschütztes Fachwerk, ein Grimme-Denkmal und vier Rosen-Wege, die man mit einem Faltblatt abschreiten kann.
Nächster größerer Ort ist Olsberg, hier kommt man mehr ans Ruhrufer. Ich verpasse einen Abzweig in Antfeld, (die Richtung Brilon ist die falsche), dafür rollt man sehr entspannt bis nach Bestwig. Insgesamt eine schöne Streckenführung, genug Ruhebänke, Cafes oder Biergärten.
Hüsten – Wickede
Letztes Jahr hatte ich nach einem Blick auf die Karte dieses Stück ausgespart, was ein Fehler war. Trotz der Nähe zur Autobahn ein sehr angenehm zu fahrendes Teilstück, das gezielt als Freizeitbereich gestaltet wurde. Der Autolärm hält sich in Grenzen, man fährt auf Asphalt direkt am Ufer und kann den Leuten beim Picknicken zusehen. Vor Wickede ein kleines Stück der “Deutschen Alleenstraße”, Pferde- und Kuhweiden. Ca. 16 km, die meine Tagesleistung wieder auf ca 50 km brachten.
Noch mal: Bahn fahren
Die Fahrkartenautomaten sind leider nicht so programmiert, dass sie von sich aus den günstigsten Tarif vorschlagen. Man muss schon vor der Fahrt wissen, was man will. Da ich mehrmals umsteige und den Bereich des VRR verlasse, habe ich mich für ein Schöner Tag Ticket NRW (Single) zu 26 € entschieden und verzichte darauf, auszurechnen, ob der Einsatz meiner Bahncard 25 billiger gekommen wäre. Aber auch das Rad braucht eine Fahrkarte. Selbst nach vielen Versuchen sind mir die Radtarife immer noch ein Rätsel. Ich habe aber gestern gelernt, dass es auch Tageskarten zu 4,50 € gibt. Wieder habe ich auf dem Bahnhof eine Radlergruppe getroffen, die zu viel bezahlt hatte und sich mit dem Ticket Schöner Tag (Gruppe) erheblich besser gestanden hätte. Wünschenswert ist auch, dass am Bahnhofsgebäude ein Abfahrtsplan hängt – und nicht nur in der Halle, die abends zu ist. In Wickede hab ich dann im Automaten noch mal nach den Zeiten geguckt. Der Einstieg in den RTR ist nicht immer leicht zu finden, etwa am unübersichtlichen Bahnhofsgelände von Bestwig. Wie wäre es mit RTR-Info – Punkten an der Stelle, wo man das Bahnhofsgelände verlässt, am besten sogar mit Markierungen am Boden?
Liebe Bahn, die RTR-Radler sind wenig-Fahrer, die Ihr als Kunden gewinnen könntet, mit einem bisschen mehr Beratung und Freundlichkeit. Wenn mir gleich 40 € Bußgeld angedroht werden, weil ich in Hagen auf dem Bahnsteig geradelt bin, vergeht mir die Lust, für Euch im Bekanntenkreis Werbung zu machen. Vielleicht sollte ich es als grauhaariger ÜFü als Kompliment nehmen, in die Nähe jugendlicher Rowdies gerückt zu werden?

