Archiv für die Kategorie ‘Kurioses’
Glocken läuten per Hand
In 6000 englischen Kirchen werden noch Glocken per Hand geläutet, und zwar jeweils von einer Gruppe Ehrenamtlicher und in komplizierten Tonfolgen (“change ringing”). Eine Einführung in das Glöcknerwesen gibt es passend zu Ostern in diesem Videobeitrag des ZDF.
Ich hatte das Vergnügen, 2010 in der Kirche von Beverley/York shire bei einer Probenstunde dabei zu sein. Die Glockenstube hat eine ganz eigene Atmosphäre, und das Bewegen der schweren Glocken ist eine echte sportliche Übung. Mir gefällt der doppelsinnige Satz: “It’s time to ring some changes”.
Im Rheinland gibt es Reste dieser Tradition, die dort “Beiern” heißt, aber auch in Ostfriesland oder Tirol ausgeübt wird. Auf der verlinkten Webseite findet man Ort und Zeit, um diesen Brauch live zu erleben.
Um zu üben, greift man gern auf Handglocken zurück, aber das ist eine andere Geschichte.
Commando Trad
Sie schlagen unerwartet zu: in der Metro, in der Fußgängerzone, in der Altstadt. Ihre “Waffen”: traditionelle Tanzstücke, die sie massenhaft gemeinsam spielen. Ihre “Munition”: Geigen, Gitarren, Akkordeons… Der Effekt: ansteckende gute Laune. Das ist Commando Trad aus Quebec, Kanada. Sieben Mal waren sie bereits aktiv.
In Großbritannien gab es schon Nachahmer. Also – wer traut sich und stellt mal in Deutschland so einen Folk Flash Mob auf die Beine?
Lebkuchen-Protest
Hinterhältig, das. Aus Lebkuchen und mit Zuckerguss (grün!) kommt ein harmlos aussehendes Herz daher. Es könnte glatt vom Weihnachtsmarkt stammen. Die Stuttgarter Protestierer machen sich die allgemeine Glühwein-Stimmung zunutze, um der arglosen Bevölkerung ihre Parole unterzuschieben. Da hilft nur eins: schnell aufessen!

Anarchie und Ukulele
Die Festivalsaison ist da, und hier kommen zwei englische Bands, die ich gerne mal live sehen würde:
Das Stück stammt von der Punk-Band The Clash.
Punkige Ursprünge haben auch Chumbawamba aus Leeds. Obwohl sie so wunderschön fünfstimmig singen:
Weihnachtslieder im Klezmer-Stil
Klezmer ist eine tolle Musik. Klarinette, Geige und Akkordeon jubeln oder klagen, dazu wird auf jiddisch gesungen. Ich hätte allerdings nicht damit gerechnet, dass es Weihnachts-Songs im Klezmer-Gewand gibt. Dieser europäisch-amerikanische Multikulti-Mix in Moll klingt natürlich etwas ungewohnt. Happy Chanukkah!
Jingle Bells auf dem Akkordeon:
Rudolf mit der roten Nase:
neues Ströbi-Poster
Nein, hier gibt es keine Werbung für eine Partei, auf dem Plakat geht es ja nur um die Erststimme
Der Kandidat ist allerdings der einzige, der für diese politische Gruppierung je ein Direktmandat erringen konnte, und er versucht es diesen Monat wieder. Wie zuvor hat der Cartoonist Gerhard Seyfried eine Menge witzige Ideen auf diesem Poster untergebracht. Sicher erinnern sich viele noch an seine Karikaturen aus der Hoch-Zeit der Alternativen Bewegung. Marx schaut jedenfalls wohlgefällig von seiner Wolke 7 auf den bunten Haufen, der loszieht. Die Sprechblasen über dem leicht verfremdeten Reichstag sagen übrigens: “Was machen wir mit den Schulden?” – “Wie nach dem Krieg – Währungsreform!”

Als Plakat in voller Größe kommt das Ganze natürlich noch besser. Gibt’s für 2 € im Berliner Wahlkreis-Büro des Kandidaten. Kontaktdaten und Infos auf seiner Website.
Morris – A Life With Bells On
Kann sich jemand einen Spielfilm in voller Länge, sogar eine Komödie, über eine Volkstanzgruppe vorstellen? Es gibt ihn neuerdings, und zwar über eine englisches Morristeam.
Morris ist ein ritueller Tanz aus heidnischen Zeiten, meist von Männern und zu bestimmten Zeiten des Jahres vorgeführt. Accessoires sind weiße Kleidung, Taschentücher, Holzknüppel und um die Waden gebundene Glöckchen. Morris war vor 100 Jahren fast tot, wurde aber erfolgreich wiederbelebt. Dieser Tanz ist sozusagen die Essenz des Englischseins.
Der Film “Morris – A life with bells on” scheint zunächst dokumentarisch die seltsamen Rituale von Derecq (sic) und seinen Tänzern aufzuzeichnen, bis es dann recht dramatisch wird.
Es gibt vom Verleih einen Trailer mit besserer Filmqualität.
Der konservative Morris Ring achtet auf die Wahrung der Tradition, aber ein karnevaleskes Verständnis von Volkstanz passt eigentlich gut zum frei organisiertem Brauchtum von unten:
Wer das alles merkwürdig, aber interessant findet, sollte unbedingt Bill Bryson’ s “Reif für die Insel” lesen, wo das Wesen der Engländer bestens erforscht und dargestellt wird.
Poster für die Krise
In Alnwick, Northumberland, gibt es neben der sehenswerten Burg offenbar einen äußerst bemerkenswerten Second-Hand-Buchladen: Barterbooks.
Der Inhaber fand eines Tag ein altes Plakat, das ihm gut gefiel. Er rahmte es und hängte es auf. Da es auf großes Interesse stieß, ließ er es nachdrucken.

Inzwischen ist es über 40 000 mal verkauft und auch auf Schürzen oder T-Shirts erhältlich.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Jahr 1939 druckte die britische Regierung 2 Millionen Exemplare, die im Falle einer deutschen Invasion aufgehängt worden wären. Die Herkunft des in Alnwick gefundenen Exemplars ließ sich aber nicht aufklären.
Warum das Motiv wieder so beliebt ist? Die Welt ist aus den Fugen – Klimawandel, Finanzkrise… Der Brite möchte einfach tun was er immer getan hat: die Ruhe bewahren und weitermachen wie bisher. Hat bis jetzt eigentlich immer funktioniert.
St Patrick’s Day
St. Patrick war der erste christliche Missionar in Irland. Der Legende nach hat er die Schlangen von der Insel vertrieben. Er soll das dreiblättrige Kleeblatt benutzt haben, um den Iren die Dreifaltigkeit zu erklären. Der St. Patrick’s Day am 17. März, ursprünglich ein kirchlicher Festtag, hat sich international zu einem Party-Event entwickelt. Der Schutzheilige der Grünen Insel wird besonders in den USA heftig verehrt.
An diesem Tag ist Grün die vorherrschende Farbe; in Chicago wird sogar ein Fluss grün eingefärbt (nicht wirklich öko!). Auch Bier wird manchmal grün serviert. Man trägt alberne grüne Plüschmützen und hört Musik, die sich keltisch nennt. “Jeder ist ein Ire” an diesem Tag. Sogar in München gibt es inzwischen ein St. Patrick’s Day Parade.
Musiker, die traditionelle irische Musik spielen, finden die Kommerzialisierung nicht unbedingt toll, auch wenn einiges Freibier und Auftritte dabei rumkommen.
Zwar würde das grüne Bier bei uns wohl schlecht laufen, aber so ein T-Shirt…?
Ein paar Brocken Gälisch dazu?
Lá Fhéile Pádraig – St. Patrick’s Day
Pionta Guinness, le do thoil – Ein Pint Guinness bitte.
Éirinn go Brách – Irland für immer.
Vielleicht gibt es ja in Eurer Nähe ein nettes kleines Festkonzert in einem Irish Pub. Viel Vergnügen!
