Siobhan Miller & Band, Kulturhaus Lüdenscheid, 7. Nov. 2021

Vertraut und doch anders… Die Wiedersehensfreude teilte die „Folkpack-Gemeinde“ mit Organisator Markus Scheidtweiler im Lüdenscheider Kulturhaus. Zum ersten Konzert des Jahres war am Sonntag Siobhan Miller mit ihrer Begleitband zu Gast und setzte damit die Reihe illustrer Namen wie Karine Polwart, Kris Drever oder John McCusker würdig fort.

Die Konzertreihe des Kalle e.V. zieht auch Publikum aus größerer Entfernung an und hat bei den Künstler/-innen von den britischen Inseln einen hervorragenden Ruf. Die Corona-Vorschriften sorgten dafür, dass die Besucherinnen und Besucher am Sonntag über den gesamten Saal verteilt saßen. Leider fehlte, um Gedränge zu vermeiden, die Pause, und damit auch Zeit um Leute zu treffen. So gab es 90 Minuten konzentrierten Musikgenuss. Man hätte fast die ganze Zeit die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. So sehr zog das Quartett auf der Bühne alle in seinen Bann.

Gesehen hatte ich Siobhan Miller erstmals 2014 beim Highland Blast in der Rohrmeisterei Schwerte, als sie noch den Status einer Nachwuchs-Künstlerin hatte. In der Zwischenzeit hat sie zahlreiche Preise erhalten und an namhaften Festivals teilgenommen. Die Schottin aus der Gegend um Edinburgh verfügt über eine warme Altstimme mit viel Volumen und Kraft über die gesamte Tonlage. Dazu gestaltet sie ihren Vortrag wunderbar differenziert und ohne Pop-Allüren. Ehrlich und direkt sprachen die Emotionen aus ihren Liedern. Ein erster Höhepunkt war für mich „The Selkie of Sule Skerry“, eine Ballade von den Orkney-Inseln, der Gitarre, Geige und der Flügel die passende übersinnliche Atmosphäre verliehen. Ebenso „Loving Hanna“, eine zeitlose Geschichte unglücklicher Liebe. Der hauseigene Konzertflügel wurde von John Lowrie virtuos eingesetzt. Am liebsten hätten die Vier das mächtige Instrument ja mit auf die weitere Tour genommen…Gitarrist Innes White war schon früher in Lüdenscheid zu Gast gewesen und zeigte wieder, warum er mit seiner sensiblen Virtuosität als Begleiter so gefragt ist. Fiddler Charlie Stewart stand optisch meist im Schatten, beeindruckte aber mit einem Solo-Marsch und knackigen Reels, die zum Mitklatschen animierten. Die Akustik und der Sound waren gewohnt hervorragend.

Siobhan Miller wuchs mit Musik der schottischen Tradition auf. Sie bekannte ihre Liebe zu traurigen Balladen, lockerte die Düsternis aber immer wieder mit jüngeren  Liedern auf. Sie präsentierte auch Selbstgeschriebenes. „Drifting…while the world is asleep” wurde gerne mitgesungen, auch „Cholesterol“ im Stil der Music Hall-Zeit.

Zwei der drei Zugaben absolvierten die Musiker am vorderen Rand der Bühne stehend unverstärkt. „A Health to the Company“, ein Toast auf die Freundschaft und die Freundlichkeit war der passende Abschluss eines wunderbaren Abends.

Nachdem man die irdischen Sphären gedanklich verlassen hatte, wurde man wie auf einer Flugreise mit einer Durchsage des Hauses auf den Landeanflug vorbereitet. „Setzen Sie jetzt Ihre Masken auf.“…

Mit den großartigen Kanadiern von Le Vent du Nord soll die Folkpack-Reihe des Kalle e. V. am 16. Januar fortgesetzt werden – im “Konzertflügel” unter den Veranstaltungshäusern.

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